
Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden messtechnisch überwacht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Altbau eine durchschnittliche JAZ von 3,4, erdgekoppelte Systeme 4,3 – und reduzieren die Treibhausgasemissionen um 57 bis 68 Prozent gegenüber Gasheizungen.
Im November 2025 hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE eines der wichtigsten Forschungsprojekte zur Wärmepumpe im Bestandsbau abgeschlossen. 77 Anlagen wurden über einen längeren Zeitraum messtechnisch überwacht – unter realen Bedingungen, in echten Häusern, mit echten Bewohnern. Die Ergebnisse entkräften endgültig das hartnäckigste Vorurteil der Wärmepumpe: dass sie im Altbau nicht funktioniere.
Das Projekt mit dem Namen „WP-QS im Bestand" wurde vom Fraunhofer ISE gemeinsam mit zwei Energieversorgern und neun Wärmepumpenherstellern durchgeführt. Es baut auf dem Vorgängerprojekt „WPsmart im Bestand" auf, das 2019 abgeschlossen wurde. Damit stehen jetzt belastbare Langzeitdaten aus zwei Messkampagnen zur Verfügung – ein seltener Schatz in einer Branche, in der vieles behauptet, aber wenig gemessen wird.
Die zentrale Fragestellung: Wie effizient arbeiten Wärmepumpen tatsächlich in Bestandsgebäuden, die nicht den Neubaustandard erfüllen? Können sie mit Heizkörpern statt Fußbodenheizung funktionieren? Und wie hoch sind die realen Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Gasheizungen?
Die Ergebnisse wurden im November 2025 in einer Pressemitteilung des Fraunhofer ISE veröffentlicht und auf der DKV-Tagung präsentiert.
Die Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Durchschnitt eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4. Das bedeutet: Aus einer Einheit elektrischem Strom werden 3,4 Einheiten Wärme erzeugt. Im Vorgängerprojekt lag der Schnitt noch bei 3,1 – die Geräte wurden also messbar effizienter.
Die Bandbreite reicht von 2,6 (niedrigste Anlage) bis 4,9 (höchste Anlage). Dieser Unterschied ist erheblich und zeigt: Die Qualität der Planung und Installation ist entscheidend, nicht nur das Gerät selbst.
Die erdgekoppelten Anlagen schnitten im Mittel besser ab: JAZ 4,3 (Bandbreite 3,6 bis 5,4). Im Vorgängerprojekt lag der Schnitt bei 4,1 – auch hier eine Steigerung.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Es konnte keine Korrelation zwischen dem Baujahr der Gebäude und der Effizienz der Wärmepumpe festgestellt werden. Ein Haus aus den 1950er Jahren kann also genauso effizient mit einer Wärmepumpe beheizt werden wie eines aus den 1990er Jahren – vorausgesetzt, die Heizlast ist korrekt berechnet und das System gut geplant.
„Zweifel an der Effizienz von Wärmepumpen im Altbau sind nicht angebracht." — Fraunhofer ISE, Pressemitteilung vom 3. November 2025
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Heizflächen. Die Untersuchung zeigte, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen. Das ist eine wichtige Botschaft für alle Altbau-Eigentümer, die keine Fußbodenheizung nachinstallieren möchten oder können.
Große, alte Heizkörper aus den 1970er und 1980er Jahren haben oft eine große Heizfläche und können mit Vorlauftemperaturen von 45–55 °C betrieben werden. Moderne Flachheizkörper sind dagegen oft kleiner und benötigen höhere Temperaturen. Wer also eine Wärmepumpe plant, sollte vorhandene Heizkörper nicht voreilig austauschen.
Auch das Vorgängerprojekt „WP-Effizienz" hatte bereits gezeigt, dass 110 Wärmepumpen in neuen Einfamilienhäusern ähnliche Ergebnisse lieferten.
Ein häufiges Argument gegen Wärmepumpen: Bei kalten Temperaturen schaltet sich der elektrische Heizstab ein und treibt die Stromrechnung in die Höhe. Die Messungen des Fraunhofer ISE zeigen: Diese Sorge ist weitgehend unbegründet.
Allerdings relativieren die Forscher: Dies hängt auch mit den vergleichsweise milden Witterungsbedingungen in der Messperiode zusammen. In strengeren Wintern kann der Anteil höher ausfallen.
Die Studie hat erstmals auch die viertelstündlich berechneten Emissionswerte im deutschen Strommix berücksichtigt. Das ist methodisch wichtig, weil der Strommix nicht konstant ist – nachts ist der Anteil erneuerbarer Energien oft höher als tagsüber.
Das Ergebnis: Wärmepumpen verursachen 57 bis 68 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als vergleichbare Gasheizungen. Und dieser Vorteil wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, da der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix kontinuierlich steigt.
Die Ergebnisse des Fraunhofer-Feldtests haben konkrete praktische Implikationen:
Der Altbau ist kein Ausschlusskriterium. Eine Wärmepumpe funktioniert auch in älteren Gebäuden effizient – vorausgesetzt, die Planung ist fachgerecht.
Die Heizlastberechnung ist entscheidend. Nach DIN 12831 muss die Heizlast des Gebäudes realistisch berechnet werden. Wer diese Berechnung überspringt oder pauschal schätzt, riskiert Über- oder Unterdimensionierung.
Bestehende Heizkörper können oft erhalten bleiben. Große, alte Heizkörper sind oft besser für Wärmepumpen geeignet als moderne, kleine Flachheizkörper.
Der hydraulische Abgleich ist Pflicht. Er sorgt dafür, dass die Wärme optimal verteilt wird und die Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich gehalten werden kann.
Die Kombination mit Photovoltaik lohnt sich. Wer eine PV-Anlage hat oder plant, kann den Eigenverbrauch maximieren und die Betriebskosten weiter senken.
| Kennwert | WPsmart im Bestand (2019) | WP-QS im Bestand (2025) | Veränderung | |---|---|---|---| | JAZ Luft-Wasser (Durchschnitt) | 3,1 | 3,4 | +9,7 % | | JAZ Sole-Wasser (Durchschnitt) | 4,1 | 4,3 | +4,9 % | | Anzahl überwachte Anlagen | 80 | 77 | — | | JAZ-Bandbreite Luft-Wasser | 2,4–4,7 | 2,6–4,9 | — | | JAZ-Bandbreite Sole-Wasser | 3,3–5,0 | 3,6–5,4 | — |
Die Effizienz hat sich in beiden Systemkategorien verbessert. Die Bandbreite hat sich leicht nach oben verschoben – die besten Anlagen sind noch effizienter geworden, die schlechtesten ebenfalls.
Die Fraunhofer-Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der sich der Wärmepumpenmarkt rasant entwickelt. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) meldete für 2025 einen Absatz von 299.000 Heizungswärmepumpen – ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit haben Wärmepumpen die Gasheizung von Platz eins der Verkaufszahlen verdrängt.
Etwa 80 Prozent der verkauften Wärmepumpen gehen in Bestandsgebäude – genau dort, wo der Fraunhofer-Feldtest die Effizienz bestätigt hat.
Auch international bestätigen die Daten den Trend. Die IEA Global Energy Review 2026 meldet: In den USA haben Wärmepumpen zum vierten Jahr in Folge mehr Geräte verkauft als Gaskessel. In Europa trieb vor allem Deutschland das Wachstum an.
Der Fraunhofer-Feldtest ist die bislang fundierteste Studie zur Wärmepumpe im Altbau. Sie zeigt: Wärmepumpen funktionieren in Bestandsgebäuden effizient und klimafreundlich. Die durchschnittliche JAZ von 3,4 (Luft-Wasser) bzw. 4,3 (Sole-Wasser) ist ein solider Wert, der die Betriebskosten gegenüber Gasheizungen deutlich senkt. Die Treibhausgasemissionen fallen um 57 bis 68 Prozent niedriger aus.
Wer heute noch behauptet, Wärmepumpen funktionierten nicht im Altbau, ignoriert die Datenlage. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie – und die Antwort lautet: mit fachgerechter Planung, realistischer Heizlastberechnung und einem professionellen Installateur.
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